Vita Meinwerci 1015
Vita Meinwerci 1015

Aus der Geschichte Himmighausens :
Ausszug aus der Beilage des Westfälischen Volksblattes "Heimatborn" aus dem Jahre 1936. Verfasser: Studienassessor Josef Baldus, Bad Driburg.
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Dörfer mit dem Stamm auf -hausen sind nach dem heutigen Stande der Siedlungsforschung in der Zeit um etwa 500 bis 800 nach Christi Geburt als entstanden anzusehen. Sie begegnen uns besonders in früheren Waldgebieten und deuten auf starke Neusiedlungen in jenen Jahrhunderten. Im Kreis Höxter sind Dörfer mit der Endung –hausen besonders häufig.
Der Ort Himmighausen hieß zu Anfang des 11. Jahrhunderts Himmicanhusun. Man wird daher den Namen deuten müssen als Haus oder Siedlung des Hemmiko oder Hameko.
Bezüglich der Lage unseres Dorfes heißt es ausdrücklich, dass es im Bistum Paderborn nicht weit von der Stadt Nieheim an einem Bache, genannt die Fischbeke, gelegen sei und dass dieser daselbst in die Emmer münde.
Himmighausen wird zum ersten Mal erwähnt in der Vita Meinwerci, wo berichtet ist, dass am 4. November 1015 ein gewisser Wiebrand im Einverständnis mit seiner Gattin Tetta  "quoddam praedium in loco qui dicitur Hemmicanhusum"
mit allem Zubehör der Paderborner Kirche schenkte, "um seine Sünden zu tilgen".
So wurde Himmighausen bischöfliches Tafelgut.
In einer Urkunde von 1237 kommen zwei Ministerialen Gottfried und Eberhard von Himmighausen vor. Sie saßen als bischöfliche Meier (villici = Oberverwalter) offensichtlich auf dem heutigen Gutshofe.
Später finden wir die Herren von Driburg als Inhaber des Lehens.
Deren Geschlecht starb mit Konrad von Driburg (+1450) und seinem ihn überlebenden Oheim, dem Domherrn Heinrich von Driburg, aus.
1458 wird Gottschalk von Schilder, Erbkämmerer des Stiftes Paderborn, von Bischof Dietrich von Moers mit Himmighausen und dem Gerichte daselbst belehnt.
In der von Köln ausgegebenen Urkunde wird dem genannten von Schilder außerdem das Dorf Iggenhausen mit dem dortigen Gerichte und dessen  Zubehörungen sowie das Burglehen „thor Driborg“ übertragen, jedoch sollte der Domherr Heinrich von Driburg  bis zu seinem Lebensende (er starb 1463) die Renten und Rechte aller Lehnsgüter seines verstorbenen Neffen Konrad ungehindert gebrauchen können.
Die von Schilder besaßen zu dem erwähnten Erbkämmereramt im 16. und 17. Jahrhundert noch das Erbtürwärteramt.
Ob mit diesem Amt ihr Recht, im heutigen „Schildern“ in Paderborn, d.h. am Westausgang der Domfreiheit, Zoll, den sogenannten Schilderzoll zu erheben, zusammenhängt, ist noch aufzuklären.
Der Sohn des in Himmighausen ansässig gewordenen Gottschalk von Schilder war
Hermann von Schilder.
Das frühere von Mengersen’sche Archiv in Schloß Rheder enthielt folgende Urkunde:

"Am 1. Oktober 1500 bekennt Hermann Schilder, Erbkämmerer, vom Erzbischof Hermann von Köln und Administrator der Kirche zu Paderborn beliehen zu sein ‚myt dem Dorpe zu Iggenhusen, myt dem Gerichte daselbes und siner Zubehöringe, myt dryn hoven zu Stehnhem, bie der lechten nowe belegen (= Lichtenau, gemeint ist Grundsteinheim), mit ehnem hove zu herbramen, mit dem burchlehn zu Dryborg und siner Zuberöringe, mit viff Mark Geldes bynnen der Drigborgh, mit dem Dorpe zu Himmichusen, mit dem Gerichte und siner Zubehörige daselbes, myt einem howe zu Schmechten, myt ehnem hove zu Borchen…" usw.
Die Familie von Schilder hat über 200 Jahre in Himmighausen gewohnt. Ihre Wirtschaftsführung war eine sehr einfache. Als Wohnhaus diente die heutige Veralterwohnung des Gutes.
Zu dem Feudalbesitz wurden von ihr noch Allodialgüter hinzuerworben und zwar von der Abtei Corvey.
Die von Schilder nannten sich in der Folgezeit Herren von Himmighausen, Erpentrup, Langeland und Iggenhausen, fürstbischöfliche Drosten der Oldenburg und von Schwalenberg. In Langeland besaßen sie freie Erbgüter und solche, die zu ihrem oben erwähnten Erbtürwärteramt gehörten.
Und in Erpentrup, dass 1138 zuerst genannt wird, überließ 1537 das Benendiktinenkloster Gehrden sein bischöfliches Lehngut mit dem Zehnten den Gebrüdern von Schilder in Himmighausen und erhielt dafür durch Tausch andere Güter in Langeland, Driburg und den sogenannten Schilderhof in Schmechten. 1569 fand die förmliche Belehnung Hermanns von Schilder mit Erpentrup, der Mühle und dem Gerichte daselbst durch den Bischof Johann II. von Hoya statt.
In dem sogenannten Sandebecker Hudekriege (1565) zog Hermann von Schilder, der seine Schafherden auf die Weiden der Sandebecker Feldmark hatte treiben lassen, den kürzeren. Er musste sich bequemen, nach dem Dringenberge vor das bischöfliche Obergericht zu kommen, wo er allerdings, da er den geschädigten Himmighäusern Schadenersatz geleistet hatte, straflos ausging.
Hingegen verlor sein Bruder, der Domherr Wilhelm von Schilder, die Einkünfte seiner Domherrenpfründe, weil er an dem "Unfrieden" beteiligt gewesen war.
Gut Himmighausen gelangte danach in die Hände Kaspars von Schilder, welcher fürstbischöflicher Rittmeister war und 1610 starb.
Auf ihn folgte sein minderjähriger Sohn Hermann Bernhard von Schilder.
Himmighausen wurde deshalb damals länger nicht von der Familie bewohnt; der junge Erbe kam zu Verwandten, wo er eine gewissenhafte Erziehung genoss; die Güter wurden verpachtet.
Später tat Hermann Bernhard bis zu seinem 24. Lebensjahr Kriegsdienste und verheiratete sich mit Margareta Magdalena von Donop aus dem Hause Wöbbel (im Lippschen) am 19. Februar 1624.
Er muss in der Folgezeit in Himmighausen gewirtschaftet haben und 1679 noch
im Besitze des Gutes gewesen sein. 1680 aber finden wir dort einen Otto Georg von Schilder, Drosten zu Schwalenberg. Dessen Gattin, Agnes Catharina von Ascheberg, deren Familie heute noch auf Haus Venne in Drensteinfurt in Westfalen ansässig ist, starb 1711.
Bereits 1 Jahr später heiratete Otto Georg von Schilder wieder und zwar eine Ursula Helene von Schade, die einer im Oldenburgischen und im Emslande heimischen Familie entstammte.
Nachdem ein Sohn aus erster Ehe 1712 gestorben war, blieb als Erbin nur eine Tochter namens Anna-Lucia-Sophia von Schilder übrig. Diese war beim Tode des Vaters (10.April 1716) mit dem Reichshofrat Karl Heinrich Kasimir von Donop, Herrn zu Wöbbel und Barkhausen, verheiratet.
Somit kamen die von Donop jetzt nach Himmighausen.
Die Familie von Donop besaß ihren Stammsitz im Lippischen.
Im Wappen führt sie einen fünfmal gezinnten Balken.
Ein Johann Moritz von Donop, Erbherr zu Lüdershof, lippischer Hofmeister und Hauptmann, war 1693 durch Heirat in verwandtschaftliche Beziehungen zu der bekannten westfälischen Familie der von Haxthausen getreten. Das Gut Lüdershof liegt in der Nähe des lippischen Kirchdorfes Donop zwischen Detmold und Barntrup.
Die von Donop, die durch Heirat die beiden Güter Himmighausen und Erpentrup an sich gebracht hatten, sind vom Paderborner Fürstbischof nie förmlich damit belehnt worden. Als der Droste Otto Georg von Schilder 1716 gestorben war, strengte die Seitenlinie der von Schilder zu Dreckburg einen Prozess an, indem sie sich darauf berief, dass das Lehen nur in männlicher Linie vererbbar sei.
Dieselbe Linie erhielt auch die Belehnung mit dem Erbtürwärteramt. weshalb der Reichshofrat Karl von Donop unmittelbar an das Reichkammergericht in Wetzlar appellierte. Vorerst blieb es nun so, dass die von Donop in dem Besitz der Güter de facto gelassen, hingegen die erwähnten von Schilder als Lehnnachfolger und Agnaten weiter belehnt wurden.
Laut Taufregister in Sandebeck gebar Lucia Sophia ihrem Gatten am 20. Mai 1715 einen Sohn, Franz Maximilian von Donop. Dieser beerbte seinen 1754 verstorbenen Vater und war bis 1790 Herr in Himmighausen und Erpentrup.
Franz Maximilian von Donop heiratete Luise Sophia von Friesenhausen und hatte fünf Kinder. Der älteste Sohn hieß Georg Christian Franz Josef von Donop und wurde am 17. März 1776 in Himmighausen geboren. Er war später königlich-hannoverscher Rittmeister und vermählte sich mit Auguste Charlotte Cox.
Die Hochzeit wurde am 14. Februar 1805 in London gehalten.
Georg Christian Franz Josef von Donop ist als Herr auf Gut Wöbbel
am 19. Mai 1844 gestorben. Seine Gattin folgte ihm am 15. November 1845 in Detmold im Tode nach. Beide hinterließen fünf Söhne.
Was über die Donopsche Zeit in Himmighausen heute -(1936)-  noch verbreitet wird, scheint stark übertrieben zu sein. Wahr mag sein, dass die Glieder dieses Geschlechts im Gegensatz zu dem von Schilder auf großem Fuße zu leben gewohnt waren, und deshalb sich in Schulden stürzten.
So erzählt man, sie seien stets vierspännig ausgefahren und, wenn sie mit ihrem Viergespann ins Lippsche kamen, hätten sie jedes Mal 2 Pferde ausspannen müssen, da nur dem Grafen von Lippe dieses Vorrecht gebührt hätte.
Auch sollen auf der Gräfte des Schlosses oft "Venezianische Nächte" abgehalten worden sein. Heute noch zeigt man in Himmighausen das sogenannte "Mohrenhaus", hier habe der Spaßmacher des Schlosses gewohnt.
Jedenfalls lebt im Volke die Tradition fort, dass die von Donopsche Zeit in Himmighausen eine besonders frohe und lustige gewesen sei und die Einwohner mit den Fröhlichen froh mit gelebt hätten. Dies wird behauptet, obschon die
öfter auch ihre richterlichen Befugnisse gegen die fast alle in irgendeiner Form von ihnen abhängigen Dorfbewohner ausgeübt haben. So bestand damals noch die Prügelstrafe, auch gab es den Schandpfahl vor "Langen Haus", wo einmal eine Frau, die gestohlen hatte, einen Tag und eine Nacht stehen musste und von der Jugend des Dorfes mit Straßenkot beworfen wurde.
Wegen der flotten Lebensweise der Donops, die fast sprichwörtlich war, geschah es, dass die jährlich Pacht in Höhe von 200 Talern wohl mehrere Jahre hintereinander ausblieb, so dass der Bischof auf irgendeine Weise sehen musste, die fällige Summe einzutreiben.
Das führt uns auf den ober erwähnten Prozess zurück, der 1716 angestrengt war, aber noch immer nicht eine endgültige Entscheidung gefunden hatte.
Mit dem fürstbischöflichen münsterischen Generalmajor und Amtsdrosten Klemens August von Schilder war der letzte Mannesspross der Seitenlinie von Schilder in Salzkotten gestorben, und die Schilderschen Lehen gingen nunmehr an die Familie von Mengersen über.
Klemens August Bruno Freiherr von Mengersen, Herr zu Rheder und Borgholz, erklärte sich bereit, die durch die Zahlungsunfähigkeit der Donops, über deren Gesamtvermögen seitens der Paderborner Regierung 1733 der Konkurs erklärt worden war, angehäufte Schuldenlast und die rückständige Pacht dem Bischof zu bezahlen.
1794 wurde er dafür von dem Paderborner Fürstbischof Franz Egon von Fürstenberg mit sämtlichen Schilderschen Lehnsgütern und dem Erbtürwärteramte des Stifte förmlich belehnt, desgleichen sein Sohn Friedrich Wilhelm Bruno.
Die Himmighausener Einwohner haben den von Mengersen von Anfang an als Eindringling angesehen  und konnten sich nicht mit der Familie befreunden.
Die von Donop aber führten ihren Prozess jetzt mit den von Mengersen  weiter; denn sie wollten nicht freiwillig  auf Himmighausen und Erpentrup verzichten.
Erst 1810 kam ein gütlicher Vergleich zustande. Die Familie von Donop leistete endgültig Verzicht auf den Güterbesitz, hingegen die von Mengersen  4000 Taler als einmalige Abfindung zu zahlen sich verpflichteten. So hatten die von Donop schließlich doch noch den etwa hundert Jahre dauernden Prozess verloren; sie blieben fortan auf Gut Wöbbel wohnen. Einzelne Mitglieder der Familie waren zuletzt bürgerliche Heiraten eingegangen. So begegnet noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts der Name der Sophia von Donop, der jüngsten Tochter des Franz Maximilian von Donop, die nach dem Kirchenbuche in Nieheim einen Gastwirt Ludwig Polley geheiratet hatte und 67 Jahre alt am 20. Februar 1851 daselbst verstarb.
( Aus dem "Emmerboten" 3/85  übernommener Zeitungsartikel von 1936 )

 

 

 

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